Behelfsbrücke

Für den Bau der Müngstener Brücke hat es sich bereits in den Planungen ergeben, dass eine Behelfsbrücke sinnvoll erscheint. In einer Höhe von 30m über dem Wupperspiegel erbaute man schließlich von Juli 1893 bis Januar 1894 eine solche Behelfsbrücke.

Behelfsbrücke, © MAN Archiv

Sie erstreckte sich aus strategischen Gründen von den beiden Bodenwiderlagern des späteren Bogens über die Wupper. Die Brücke wurde hierbei nicht extra für den Bau und die Begebenheiten in Müngsten neu konstruiert. Bei einem vorangegangenen Bau einer Brücke in Grünthal, der gerade erst unter Federführung von MAN fertig gestellt wurde, hat sie ebenfalls als Behelfsbrücke gedient, und wurde nun bis Solingen Mitte mit dem Zug ins Bergische, und dann mit dem Pferd bis nach Müngsten gebracht, wo sie sukzessive an die Begebenheiten angepasst aufgebaut wurde. Das Pferderfuhrwerk war noch nötig, da der Bauplatz in Schaberg gleichzeitig errichtet wurde und zudem die Windfelner Brücke noch nicht fertig gestellt war, bzw. erst gleichzeitig mit der Behelfsbrücke fertig wurde. Zwei Wochen bevor der Regierungspräsident aus Düsseldorf die Freigabe für die Montage erteilt hatte, war diese bereits fertiggestellt.

Die Behelfsbrücke hatte mehrere Vorteile, weshalb man auch die halbjährige Bauzeit gerne in Kauf nahm:

  1. Durch die parallele Installation direkt an den Widerlagern des späteren Bogens der Müngstener Brücke konnte man ideal arbeiten. Die Widerlager stellen in der Konstruktion den untersten Punkt der Brücke dar, somit konnte man ideal von der Grundlinie der Brücke arbeiten.
  2. Die Wupper war zu dieser Zeit, regulierende Sperren wupperaufwärts waren zeitlich noch in weiter Ferne, von stark wechselnden Pegeln geprägt. Erst wenige Jahre vor dem Baubeginn der Brücke, im Herbst 1890, kam es infolge eines Hochwassers der Wupper zu Einstürzenden Brücken und sogar Todesopfern. Mit einer Behelfsbrücke 30m über der Wupper umging man das Problem überschwemmter Bauplätze bei Hochwasser elegant.
  3. Da die Trassierung auf Remscheider Seite noch auf sich warten ließ, musste man sämtliches Material über Schaberg liefern. Die steilsten Hänge in Müngsten konnten mit der Behelfsbrücke umgangen werden, was die Materialnachlieferung vom Bauplatz in Solingen-Schaberg erheblich erleichterte und die Dimensionierung der Drahtseilbahn vom Bauplatz Schaberg hinunter ins Tal verkleinerte.

Am 10.04.1894 erteilte man die Erlaubnis der Nutzung nach einer vorherigen Abnahme mit einhergehender Belastungsprobe, die unbeanstandet verlief. Allerdings gab es noch Auflagen für den Betrieb, so sollten z.B. die Gerüstpfeiler noch besser gegen Hochwasser gesichert werden und keilförmige Eisbrecher angebracht werden.

Die Behelfsbrücke stand nahezu während der gesamten Bauzeit in Müngsten. Erst 1897, im Jahr der Fertigstellung der Müngstener Brücke, wurde auch die Behelfsbrücke wieder demontiert. Sie war überflüssig geworden, nachdem die Müngstener Brücke selbst begeh- und befahrbar geworden war. Im Sommer 1897 demontierte man die Brücke wieder und zog die Einzelteile wieder nach Schaberg hinauf. Zur offiziellen Einweihung am 15. Juli 1897 war nichts mehr von ihr zu sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *