Der Brückenbogen

Herzstück der Brücke ist unzweifelhaft der 180m spannende Bogen über die Wupper. Dieser wurde von beiden Widerlagern auf Remscheider und Solinger Seite aufeinander zu gebaut, sodass sie sich in der Spitze treffen. Gleiches galt für den Überbau, auf dem heute die Schienen liegen.
Frontalansicht, © MAN-Museum und Historisches Archiv
Frontalansicht, © MAN-Museum und Historisches Archiv

Der freie Vorbau

Arbeiter in der Brückenkonstruktion, © MAN-Museum und Historisches Archiv

Arbeiter in der Brückenkonstruktion

Anton von Rieppel plante, und dies war die eigentliche Sensation und wegweisende Ingenieursleistung an der Müngstener Brücke, diese im Verfahren des freien Vorbaus zu errichten. Die Müngstener Brücke war die erste Brücke, die in diesem neuen Verfahren errichtet wurde, was nicht zuletzt auch die Kosten für das Projekt deutlich senkte.

Zuvor wurden für Bogenbrücken in größeren Dimensionen aufwändige Gerüste konstruiert, die während während des Baus die noch unfertigen Bogen stützten, damit diese nicht durch ihr Gewicht die Brücke nach unten überkippen lassen konnte. Rieppel erarbeitete und errechnete am Schreibtisch eine Methode, welches dieses teure Verfahren auf für tonnenschwere Brücken wie die Müngstener Brücke unnötig machte, in dem er schon während des Baus die Brücke sich selbst tragen lassen ließ, und er schon in der frühen Bauphase eine Rückverankerung vorsah, die auf der Hangseite im Boden tief verankert wurde. Der Tonfels Boden des Schaberger Hangs bot hier ideale Voraussetzungen. In der Brücke selbst wurden temporäre Anker eingearbeitet, die, solange die Brückenbogen noch frei hingen, diese Kraft über den Überbau (Trasse) hin zur Rückverankerung entlastete bzw. hielt. Er ließ die Brücke so bauen, dass sie sich jederzeit selbst trug, auch wenn sie bis zur Vollendung lange in Wind und Wetter im wahrsten Wortsinn in der Luft hang.

Prinzip des freien Vorbaus an der Müngstener Brücke
Prinzip des freien Vorbaus an der Müngstener Brücke

Es wird deutlich, dass Rieppel sich eindeutig auch aus Gründen der Montierungsweise und der damit einhergehenden Kostenersparnis für genau die Brücke entschieden hat, die heute in Müngsten steht. Die Rückverankerungen in den Boden sowie die nötigen Querstreben im Stahlgerüst der Brücke wurden nach Fertigstellung der Brücke wieder entfernt.

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